De modelbouw winkel op de hoek

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Twan
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Lid geworden op: vr 10 feb 2012, 11:35
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De modelbouw winkel op de hoek

Bericht door Twan » do 10 mei 2012, 18:16

Ja, ich bin ab und zu gewalttätig. Andererseits: Ich liebe und unterstütze die kleinen Fachhändler – wenn man mich denn lässt!

Bertl, der Modellbauladenbetreiber in meiner Reichweite, liebt mich auch sehr, weil ich nicht so aufs Geld schaue. Man muss sich nur ein bisschen mit mir unterhalten und mich im Sommer an den kleinen Tisch hinter dem Laden bitten und mir vielleicht ein Glas Milch hinstellen.

Das sind schöne Stunden. Allerdings kommt es nach dem dritten Glas Milch durchaus vor, dass ich meinen geliebten „Fachhändler“ Bertl am Ohr packe und mit seinem leeren Schädel die Tischplatte in Eigenresonanz bringe. Sobald er dann anfängt zu winseln, zwinge ich ihn, mir diesen planlos zusammengeschaufelten, von schwerer Schizophrenie zeugenden Dreck- und Misthaufen zu erklären, den er voller Ernst als sein „Fachgeschäft“ bezeichnet.

Und das sieht so aus:

Neben ausgeweideten RC-Buggys stehen ein paar Flieger-Komplettsets in verblichenen Kartons, die wahrscheinlich von einer usbekischen Resterampe entsorgt wurden. Die beigepackte 27-MHz-Funke ist bereits werkseitig mit verbogener Antenne bestückt und erzielt an guten Tagen eine Reichweite, die ungefähr der Spannweite des Höhenleitwerks entspricht.

Die „Flugzeuge“ selbst bestehen aus einer scharf riechenden, klebrigen, halbzähen Masse, irgendeine Art Schweröldestillat, das bei Berührung sofort Hautkrebs verursacht und nach Gebrauch in Gorleben entsorgt werden muss.

Der Blick fällt weiter auf die unvermeidliche Lochblech-Hakenwand, die dem interessierten Betrachter einen fundierten Überblick über die Geschichte des Modellbaus vom späten Barock bis heute vermittelt.
Verspielt schlingen sich sonnengegerbte Kraftstoffschläuche um tränende NiCd-Akkus. Ein einsames Moosgummirad, das aufgrund seines Alters schon Diamanthärte erreicht hat, duckt sich verschämt in eine harzverrotzte GFK-Motorhaube von irgendwas, das wohl mein Vater schon geflogen ist.

Nachdem man versonnen ein paar Preisschilder in D-Mark belächelt hat, ist man unweigerlich versucht, nach einer Auspreisung in Reichsmark oder Talern zu suchen. Gibts natürlich nicht. Dafür aber einen grellen Aufkleber auf einem ziegelsteingroßen Drehzahlregler: „Neu von der Spielwarenmesse!“ „Oh!“, denkt man, „gibt es jetzt ein eigenes Sortiment für die Panzer- und Baggerfahrer unter uns?“ Weit gefehlt! Die Neuheit sorgte bereits 1996 für Furore.

Plötzlich Überraschung: Eine ganze Zeile mit Ersatzrotorblättern und Krimskrams für diese Koax-Pest. Außerdem ein paar von diesen Kyosho-Minis. Und das, obwohl Bertl nicht müde wird zu beteuern, dass er sich solchen Dreck niemals in seinen Laden stellen würde. „Das hat heute jeder Drogeriemarkt neben den Abführtees, das kommt mir nicht über die Schwelle.“ Klar, denn Bertl ist ja Fachhändler, wie wir wissen. Einer, der noch beraten kann. Allerdings sollte man Bertl nicht zu sehr zur Beratung zwingen, denn er kennt die aktuellen Produkte auch nur aus dem Katalog. Soll er sich vielleicht den ganzen teuren Knallkram ins Regal legen, der nach einem halben Jahr schon nicht mehr im Sortiment ist?

Plötzlich nochmal Überraschung: Am Boden steht tatsächlich die Kiste mit dem aktuellen, kleinen Dreiachsmotorsegler, den ich auf der Vormerkliste habe. Es lebe der Fachhandel! Wo sonst darf man die Packung öffnen und die Sache in aller Ruhe ansehen? Mit Passprobe der Einzelteile?

Das Teil wird also gekauft. Und zwar, ich sage das mal unter uns, ähm, nicht so direkt mit einer Rechnung oder so. Wozu auch? Das Thema Garantie ist hier irrelevant. Ich habe den Packungsinhalt intensiv kontrolliert. Ab jetzt gehen sowieso alle Schäden auf meine Kappe. Vorteil Bertl.

Ich dann noch: „Bertl, ich nehm auch gleich den Antriebssatz und die Servos dazu. Und am besten noch zwei von diesen kleinen Akkus.“

Erstaunlich flink und sicher bahnt sich der dicke Bertl seinen Weg durch das Tretminenfeld aus Hubschrauberkadavern, Car-Startboxen und heiter schwankenden Türmen aus Sortierkästen. Wie er so mit seinem runden Bauch und den kurzen Beinchen durch das Halbdunkel grätscht, könnte man ihn glatt für eine tibetanische Bergziege halten. Schon hat er eine etwas abseits angeordnete Erhebung aus Müll erreicht, unter der mit etwas gutem Willen so eine Art Verkaufstresen vermutet werden darf.
Eine transparente Lexan-Karosserie, die sich ihm kurz vor dem Ziel unter die Hufe schmeißt, kickt er mit einem erfreuten „Ach, da ist sie ja!“ zur Seite.

Behutsam hebt er einen gemütlich kokelnden Lötkolben aus der offenen Kassenschublade und greift sich sein dickes Auftragsbuch darunter, in dem er auch gleich mordswichtig zu blättern beginnt.
Ich dann: „Bertl, mein lieber Bestell-Bertl. Warum stellst du dir einen Baukasten in den Laden, in der Hoffnung, ihn noch in diesem Jahrhundert verkaufen zu können, und hast dann den zwingend erforderlichen Motoraufsatz nicht da? Und keine Akkus in der richtigen Größe? Ich will fliegen, nicht warten!“

Bertl sieht gar nicht erst aus seiner Kladde hoch, sondern steuert seinen imposanten Zeigefinger durch die Kalenderspalten in Richtung Frühherbst. Dabei brabbelt er den alten Käse, den ich schon seit
Jahren kenne:
„kann doch nicht jeden Kleinschei... Mindestbestellwert ... was zusammenkommen lassen ... brähh bluhh ... doch nich die Metro ... Schweine-Porto ... grunzz ... sowieso nichts verdient ... “ und die ganze Leier. Fachhändler im Jahr 2012 eben.

Liebe „anständige deutsche“ Hersteller und liebe „Fachhändler um die Ecke“!
Bei allem Geliebe, aber mir reichts jetzt.

Ihr jammert, dass die Umsätze in den Keller gehen, entlasst Leute bzw. verkürzt eure Öffnungszeiten „aus wirtschaftlichen Gründen“.
Ohgottogott, wie kann das sein?
Weil man an euer Zeug mittlerweile schwieriger rankommt als an verbotene Drogen.

„Die Nachfrage bestimmt das Angebot?“ Das galt, als die Menschen noch zu Pferde reisten. Heute bestimmt das Angebot die Nachfrage, ihr Nullchecker.

Auf der Herstellerwebseite eines Traditionsunternehmens sind mit Stand von heute mehr als die Hälfte (!) der im Sortiment befindlichen Waren nicht lieferbar. Dazu zählt auch lebenswichtiges Zubehör für aktuelle Modelle. Gut, das mag Gründe haben, die ich nicht verstehe und die nicht unter eurem Einfluss liegen.
Gleichzeitig aber bekräftigt ihr euer Bekenntnis zu den Fachhändlern, die ihr NULL unterstützt.

Wobei die Fachhandelsbindung sowieso eine Lüge ist. Wie definiert ihr „Fachhändler“? Während ihr euch strikt weigert, auch nur eine einzige langweilige Schraube an einen Privatkunden zu schicken, kann ein großer Teil (aber eben nur ein Teil!) eures Sortiments ratzfatz beim Elektronikversender-Giganten geordert werden. Und zwar innerhalb einer Lieferfrist, von der ein Händler nur träumen kann.

Was soll also das verlogene Getue?

Wenn mir heute an meiner „deutschen Markenware“ was kaputtgeht, ärgere ich mich nicht über den finanziellen Schaden, sondern bin schon im Voraus komplett genervt davon, dass es wieder ewig dauern wird, bis ich das läppische Teil beim Bertl abholen kann. Egal, was es ist.

Als ich Dorfkind zum ersten Mal in der Conrad-Filiale in München war, dachte ich, ich bin auf einem anderen Planeten. Akkus da, Servos da, alle Kleinteile bis hin zum winzigsten Stellring, alles einfach zum Nehmen. Versteht ihr? Man konnte das Zeugs einfach nehmen, bezahlen und mitnehmen. Innerhalb von Minuten.
Klar, das kann Bertl nicht leisten. Aber ein bisschen unterstützen müssten ihn die Hersteller schon. Zwei Tage Lieferzeit sind im Jahr 2012 ein MUSS.

Ich habe meinen Teil getan.

Gepikt in een Duits forum.

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Koen
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Lid geworden op: ma 13 feb 2012, 21:34

Re: De modelbouw winkel op de hoek

Bericht door Koen » do 10 mei 2012, 19:51

Precies, wat je nodig hebt, hebben ze niet. Moeten ze bestellen en duurt eeuwig. Na een eeuwigheid gewacht te hebben, niet meer leverbaar en geen vervanger.

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